
Quelle: http://www.med1.de/Forum/Orthopaedie/126270 Eintrag vom 4.11.2005
| DAS Geheimnis um den Massagestab von ATLASPROPHYLAX Um mich auch in die Diskussion über diese äussert merkwürdige Methode "Atlasprophylax" einzureihen ... ich bin wohl eine der Wenigen, die "zufällig" einen Blick auf diesen ominösen Massagestab werfen durfte (nicht gewollt, war aber einfach zu schnell für den guten Mann ... ja, ich fand es schon sehr lächerlich und absurd, dass dieser sogleich hinter meinen Rücken geschoben und so aus meinem Blickfeld verschwand... zudem ich vorher noch über genau dieses "Mysterium" gelesen hatte. Ich dachte schon die "versteckte Kamera" kommt gleich hinter dem Vorhang hervor. Leider habe ich der Empfehlung von einem Bekannten und nicht meinem eigenen Gefühl vertraut und diese Behandlung der Atlaskorrektur machen lassen. Habe es bereits bei dieser lächerlichen Einführungs-CD schon bereut überhaupt hingegangen zu sein, aber ich wollte ja offen für Neues sein... dann kamen die Kontrolltest wie und wo was schief steht und als ich dann auf der Liegenkante sass, wurde hinter mir aus einem Koffer dieser Massagestab herausgeholt. Warum wurde mir vorher nichts von diesem Massagestab erzählt ... einfach so nebenbei aus dem Köfferchen geholt... ich dreh mich einfach um, weil ich natürlich sehen will, was der da hinter meinem Rücken macht, und zack... schiebt der ihn so das ich ihn nichtmehr sehen kann. Also, das ist doch verrückt, dachte ich nur, jetzt stimmt das doch tatsächlich, dass die nicht wollen, dass man das DING sieht. Ohje, wo bin ich nur HIER gelandet. ALSO, der Stab wird über ein Kabel elektrisch betrieben und ist am Griff gold und vorne drauf ist ein Ausfsatz, bei mir war er rosa/pink und dieses DING bewegt sich schnell in kurzen Bewegungen vor und zurück und wird während der Behandlung unten am Schädelknochen entlanggeführt... das tut ziemlich weh und ist sehr unangenehm. Das ruckt ordentlich in die Muskulatur hinein. Das angenehmste war, dass wenn man den Schmerz überstanden hat, die Verspannung im Nacken etwas nachgelassen hat, was ja auch verständlich ist... die normale Reaktion eben nach einer Massage. Danach soll sich der Atlas angeblich wieder in seiner Ausgangsposition befinden... ich kann das ja nicht selbst beurteilen. Also, besser oder anders fühle ich mit auf jeden Fall nicht danach, nix von wegen mehr "Energie oder Freiheit" im Kopf. Ich kann den Kopf etwas weiter drehen, aber dass hab ich auch, wenn ich meine yoga-Dehnübungen mache... Aber der Hammer ist noch, das die Behandlung tatsächlich nur max. 5 min. dauert. Ich dachte, der Mann macht WITZE!!!... ich war so baff, dass mir nixmehr dazu einfiel ... Auf dem Nachhauseweg hab ich mich schon ordentlich über mich selbst geärgert, dass ich nicht am Anfang schon bzw. spätestens nach der 5-Min.-Massagestab-Prozedur nicht einfach wutentbrannt aufgesprungen und nach Hause gefahren bin. Also, mit so einem Unsinn hätte ich wirklich nicht gerechnet... die ABSOLUTE UNVERSCHÄMTHEIT ist aber noch immer der PREIS. Wenn die Massage in 2 Wochen nicht mindestens 45 min. dauert, dann verlange ich mein Geld zurück... also, die Spinnen doch wirklich. Naja, bin ja selbser schuld, hätte ich nur auf die Berichte im Internet und meine innere Stimme gehört - egal, zu spät und um eine wichtige Erfahrung reicher. !!! ABER : Ich rate jedem Menschen, der noch einigermassen bei klarem Verstand ist davon ab soviel Geld auf diese Weise aus dem Fenster zu werfen... gönnt Euch dafür lieber ein paar ausgedehnte Massagetermine oder ein paar Behandlungen beim Ostheopathen, da ist Euer Geld 10000x besser aufgehoben. Glaub' nicht soviel, was andere dir sagen, was gut für DICH ist, hör'einfach mal wieder öfter in dich hinein... denn da ist deine eigene Stimme und die weisst du schon selbst am Besten was GUT FÜR DICH IST !!! In diesem Sinne... nadischa |
oder Ausschnittweise aus dem Forum auf http://www.med1.de/Forum/Orthopaedie/126270/ wo eine Fachperson die medizinischen Laien aufklärt:
Zitat:
Ist tatsächlich bei über 90% der Bevölkerung der Atlas auf der linken Körperseite krankhafterweise vor statt hinter dem "Führungsstift" (processus styloideus) fixiert?"
Diese Frage ist nicht philosophisch (Anwender alternativer Methoden) sondern ausschließlich anatomisch zu klären.
1. bestehende Fehlstellungen sind mit bildgebende Verfahren objektivierbar. Bei 90% Fehlstellung in der Bevölkerung hieße, dass ~100% der radiologischen HWS-Übersichten eine Atlasfehlstellung dieser Art aufwiesen, denn nur HWS-Problematiker werde radiologisch kontrolliert. Bei den 10% 'Gesunden' besteht kein radiologischer Kontrollgrund.
2. eine bestehende Atlasrotation (warum eigentlich immer zur rechten Seite?) würde eine quantitative Occiputrotation mitsichführen. 90% der Bevölkerung würden demnach ständig den Kopf ca. 20° nach rechts drehen!
3. die Procc. styloidei dienen nicht der Atlasführung. Können sie auch nicht, weil ihre Normgröße nicht bis zum Atlasquerfortsatz reicht sondern kleiner sind. Die physiologische Rotation des Atlas beträgt 45° zum Axis. Ein vor dem Atlas befindlicher Proc. styloideus würde diese Rotation im Kontext der physiologischen Synkinese erheblich einschränken.
Somit sind im anatomischen Denkmodell der Atlasprofilax (was impliziert eigentlich diese Bezeichnung?) erhebliche Lücken zu schließen.
Cetus
Zitat:
Die empirischen Tastbefunde der Atasprofilax-Therapeuten ergeben, dass der Atlas da wirklich festsitzt
in vivo lassen sich Procc. styloidei nicht ertasten, insofern kann ihre Beteiligung an einer irgendwie gearteten Bewegungsstörung auch nicht ertastet werden
Zitat:
Wie bereits angetönt, gibt es Röntgenaufnahmen durch den Mund - und diese zeigen deutlich den Atlas auf der rechten Seite korrekt hinter dem Proc. styl. und links dahinter.
Radiologisch (Negativ) stellen sich überlagernde knöcherne Strukturen als Verdichtung dar, die jedoch keine Möglichkeit einer Beurteilung bieten, welche Struktur der Filmebene näher ist oder entfernter. Eine orthograde Darstellung (ohne Perspektive) ist der Wunsch eines jeden Radiologen, in praxi selten zu erreichen. Axialrotationen des Atlas werden an den Procc. transversarii (Querfortsätze) erkannt. Entscheidend hierfür ist die Betrachtungsweise des Bildes. Bei einer a.-p. Betrachtung wird der rechte Proc. transversus kleiner, der linke größer. Erkennbar an der Aufnahme bei geöffnetem Mund mit flatterndem Unterkiefer (Aufnahmetechnik nach SANDBERG). Ob demnach ein Proc. styloideus in welcher Relation zum Proc. transversus ist somit nicht erkennbar.
Zitat:
In Fachbüchern zur Halswirbelsäule habe ich bis jetzt null Hinweise auf die Proc. styl. im Zusammenhang mit dem Atlas gefunden. Der Sachverhalt wurde m.E. schlicht nicht untersucht.
Diese Erkenntnis sollte stutzig machen, erklärt sie doch die geringe Korrelationsrelevanz zwischen Procc. st. und Atlas, denn so ganz dumm sind wir, die sich mit Anatomie und Biomechanik beschäftigen, auch nicht.
Zitat:
ich suche immer noch gute Ideen, wer da ein gewisses Eigeninteresse haben könnte, so dass man da nicht sechsstellige EUR-Beträge in die Hand nehmen muss.
Bei DEN Behandlungshonoraren sollte das für den Berufsverband der Atlasprofilaxeure (?) doch kein Problem sein.
Zitat:
Ach ja, klar bewirkt die Atlas-Fehlstellung nicht, dass der Kopf dauernd um 20 Grad zur Längsachse gedreht getragen wird. Die Drehbewegung des Kopfes wird ja nicht durch den Atlas ermöglicht, sondern v.a. durch die darunterliegenden Halswirbel
Korrektur: die physiologische Rotation des Atlas zum Axis beträgt 45° (bitte nochmal im Anatomiebuch die Form des Atlantoaxialgelenkes nachschauen). Das Occiput nimmt die Haltung des Atlases ein, die Kondylen werden vom Atlas geführt, somit ist eine 20° Rotation nach rechts mit einer Lateralflexion zur linken Seite zwangsläufig (Synkinese. Synonym: Begleitrotation, Freyett'ches Gesetz Typ I)
Zitat:
Auch ist die Rotation des Kopfes nicht mehr nach beiden Seiten gleich weit möglich (das lässt sich bei den meisten Menschen auch optisch erkennen, indem der Kopf bei der Drehung nach der einen Seite a) weniger weit dreht und b) dabei noch etwas gekippt wird).
Dies ist auch völlig natürlich, da einfache Rotationsabweichungen mit dem Muskeltonus der am Atlas, vornehmlich an den Procc. transversarii, inserierenden Muskeln erklärbar ist; und daher kein Indiz für eine artikuläre Fehlstellung ist.
Wiederholung: die Behauptung, 90° der Bevölkerung hätte eine radiologisch nachweisbare, krankhafte Atlasfehlstellung ist nicht haltbar. "Fehlstellungen" im Bereich der Kofgelenke auf der Basis muskulärer Dysbalancen sind somit durch Rechts- bzw. Linkshändigkeit geprägt, Normoton.
MfG C.